Klinikclowns stehen für Lachen und Liebe!

Neues Jahr, neue Kooperation

Tatataaataaa… Das Kindertheater Zauberflöckchen kooperiert in diesem Jahr mit der Fun Factory in Namibia. Angestossen durch eine überaus erfolgreiche Crowdfunding-Aktion ist uns diese wunderbare Arbeit dort vor Ort zu einer Herzensangelenheit herangewachsen und von nun an wird das kleine, feine Kindertheater die Aktion hier in Köln und Umgebung mit kleinen und großen Spenden mit unseren Gästen zusammen unterstützen.

Warum fragt Ihr Euch vielleicht?
Nun, unser Herz schlägt für Kinder. Unschwer zu erkennen, wenn man ein Kindertheater führt. Im Juni 2015 haben wir einmal in einer Klinik Einblick erhalten können und waren fortan sehr überzeugt, diese Arbeit hat eine große Wirkung auf Kinder. Denn die wertvolle Arbeit eines Klinikclowns für Betreuer, Kinder und Angehörige in besonders schwierigen bis nahezu unlösbaren Lebenslagen schafft einen Moment der Freude, der Zuversicht und des für einen Augenblick Lösens der Problematik, in der sich Menschen befinden können.

Die Geschichte: so fing alles an

Den Beruf des “Klinikclown” gibt es seit den 1980er Jahren. Die Idee kam von Michael Christensen und schon in den 90ern Jahren kam sie auch nach Deutschland. Heute kann man an verschiedenen Schulen eine fundierte Ausbildung zum Klinikclown absolvieren, unter anderem in der bundesweit sehr geschätzten Schule von Eckart von Hirschhausen, bei “Humor hilft heilen”. Die Einsatzgebiete sind sehr vielfältig geworden: So spielen die Klinikclowns nicht mehr nur in Kliniken, sondern zB auch in Altenheimen, Hospizen, Flüchtlingslagern oder Einrichtungen für Kinder und Menschen mit Behinderung. Das Ziel ist es, die heilsame Stimmung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zu fördern.

Aber was ist ein Klinikclown überhaupt? Wie kann man sich das vorstellen, wenn er kommt und Menschen mittels Humor wieder Hoffnung und Lebensmut schenkt? Das haben wir Jana Marie Backhaus mal gefragt. Die Schauspielerin aus Köln lebte viele Jahre am Rhein und arbeitete einige Jahre mit der Gründerin des Kindertheaters Anja Deilmann zusammen, bevor sie nach Afrika auswanderte und jetzt vor Ort als Klinikclown in Namibia arbeitet. Dort ist sie Teil der Fun Factory Namibia.

Ein Interview mit der Klinikclown Jana Marie Backhaus, Antonia, Sabine und Anja aus dem Kindertheater

Jana, bitte stell’ dich uns doch kurz einmal vor?

Ich bin Jana Marie, ausgebildete Schauspielerin und Klinikclown seit 2012.
Seit mehreren Jahren arbeite ich freiberuflich in dem Bereich der darstellenden Kunst, als Autorin, Stand-Up Comedian, Sprecherin und Radiojournalistin. Ich habe als Schauspielerin in Köln gearbeitet, u.a. auch im Kindertheater Zauberflöckchen und währenddessen parallel ein Bachelorstudium der Afrikawissenschaften und Linguistik & Phonetik abgeschlossen.

Und dann gings auf zu neuen Ufern?

Ja, vor fünf Jahren habe ich durch ein Praktikum bei dem deutschen Radiosender Hitradio Namibia in Windhoek meine Liebe zu Namibia entdeckt und auch meine große Liebe hier kennengelernt. Jetzt lebe ich seit kurzem permanent in Namibia zusammen mit meinem Mann und unserer Tochter.
Meine große Leidenschaft gilt auch dem Kindertheater und ich habe bereits in Köln zwei Jahre lang den Verein Kölner Klinikclowns.de geleitet. Das war eine spannende und aufregende Zeit.

Woher kommt die Liebe zu Afrika?

Ich bin ein totaler Geschichtsnerd, was die deutsche Kolonialvergangenheit angeht – vor allem in Afrika.
Außerdem bin ich ein optimistischer, lebenslustiger und vor allem abenteuerlustiger und mutiger Mensch. Viele bezeichnen mich auch als Macherin: Ich habe zwar oft viele abgefahrene Einfälle, aber mindestens die Hälfte davon setze ich auch konkret um. Und die andere Hälfte früher oder später wahrscheinlich auch…. lach * Auch hier in Namibia.
Neue Herausforderungen sind für mich ein absolutes Muss zur Weiterentwicklung!

Klinikclowns, für alle, die noch nie davon gehört haben: Kannst du uns beschreiben, was Klinikclowns sind und was sie tun?

Klinikclowns sind ausgebildete Künstler, die mit ihrer Clownsfigur vorwiegend auf Kinderstationen in Krankenhäusern auftreten, um den kleinen Patienten, sowie ihren Angehörigen und auch dem medizinischen Personal emotionale Erleichterung zu bringen. Das kann in Form von Lachen und Humor geschehen, aber auch durch poetische, sanfte Töne in Form von kleinen musikalischen Darbietungen, Seifenblasen oder Umarmungen. Der Clown soll das Umfeld durch seinen Anwesenheit transformieren. Er wird durch das improvisierte Spiel zum Geschichtenerzähler, zum Traumarchitekten, zum Ablenker. Gleichzeitig ist der Clown immer authentisch und es geht nicht darum, schwere Gefühle herunter zu spielen, sondern er nimmt an, was ist und bewegt sich in der Situation so, wie der Patient es möchte. Gerade kranken Kindern wird jegliche Autonomie genommen und diese erlangen sie durch die Begegnungen mit dem Clown zurück.

Was ist in Namibia anders als Klinikclown, als wenn du in Deutschland auftrittst?

Es ist tatsächlich teilweise sehr anders. Hier sind oft bis zu 10 Kinder und Erwachsene in einem Zimmer. In Deutschland gibt es maximal 4-Bett-Zimmer und das ist schon voll. In der Regel nur Doppelzimmer. Die Kinder, die mobil sind, folgen uns hier den gesamten Einsatz über, ohne, dass sich jemand darum kümmert. Das stellt uns vor Herausforderungen wie z.B. Hygiene, Lautstärke und auch die Kinder mal zu bitten zu müssen, draußen zu warten, wenn wir ein sehr krankes Kind alleine besuchen möchten. Das Personal erwartet auch dauernd Geschenke von uns 😀 wir werden immer nach Süßigkeiten gefragt und bringen auch oft für den Pausenraum etwas mit. 

Wie ernst zu nehmen ist eigentlich die Kritik der Kinder?

Wenn es Kritik von den Kindern gibt, die nicht Teil des Spiels ist (es gibt manchmal Situationen, in denen Kinder damit spielen, dass sie so tun als würden sie etwas doof finden, es aber eigentlich nicht so ist – dafür muss man auch ein Gespür entwickeln), dann ist sie immer ernst zu nehmen.

Deshalb fragen wir ja auch immer “dürfen wir reinkommen?”, denn wenn ein Kind es nicht möchte, dann werden wir es niemals dazu überreden. Wir respektieren die Antwort und lassen oft noch einen kleinen Gruß da – einen Ballon oder eine Postkarte.

Wie bist du dazugekommen? Was hast du damit zu tun?

Ich wollte immer mehr mit meiner Schauspielkunst machen, als nur selbst im Mittelpunkt zu stehen. Wirklich etwas verändern und bewegen und authentischen Kontakt zum Publikum haben. Beim Kindertheater ist das zum Beispiel auch möglich. Die Clownerie entdeckte ich dann schließlich in meinem 3. Semester an der Schauspielschule. Da wurde ich auf einmal in dem Fach “Bewegung” richtig gut. Tanzen war eigentlich nicht so wirklich meins und ich sah dabei oft unfreiwillig komisch aus. So habe ich meinen Wunsch nach etwas sinnvollem und authentischen mit meiner vermeintlichen Schwäche des nicht Tanzen Könnens kombiniert. Das wurde dann zu einer meiner größten Stärken.

Warum sind die Klinikclowns ein Projekt geworden, dass du so liebevoll unterstützt? Was sind deine Beweggründe?

Die Idee des Klinikclown passt sehr zu meiner optimistischen Sichtweise auf die Welt. Ein Clown ist jemand, der wieder aufsteht, nachdem er hingefallen ist. Darüber hinaus geht es um wirkliche Authentizität. Man vermutet oft, dass Clowns aufgesetzt sind und etwas Maskenhaftes an sich haben. Dabei sind es die Klinikclowns, die es schaffen zu wildfremden Menschen eine wirkliche Verbindung aufzubauen.

Was ist das Schöne an diesem Beruf?

Ich liebe es, Menschen zum Lachen zu bringen und ihnen eine Freude zu machen. Als Clownschauspielerin mache ich das automatisch mit meiner Kunst. Man kreiert etwas Schönes aus etwas nicht so Schönem. Jetzt nach sieben Jahren als Klinikclown bedeutet mir die Arbeit noch etwas ganz anderes als am Anfang. Ich bekomme jetzt mit, wie sehr sich Leute an meine Clownsfigur erinnern und an Momente, die wir zusammen erlebt haben. Das zeigt, dass der Effekt von Humor größer ist als man denkt. Klinikclowns stehen für Lachen und Liebe! Die zwei schönsten Dinge auf der Welt.

Welche Rolle möchtest du in deinem Leben noch spielen?

Ich habe nicht wirklich eine bestimmte Rolle, die ich ausfüllen oder ausprobieren möchte, sondern eher ein Projekt: Einen Film in Namibia zu machen, entweder das Drehbuch zu liefern oder mitzuspielen oder vielleicht ja sogar beides? Große Träume, aber so hat das mit der Klinikclownerie ja auch mal angefangen…

Welches große Vorbild aus dem Theater, dem Schauspiel, dem Film begleitet dich in deiner ganzen Schauspielkarriere schon und warum?

Das hat sich immer mal wieder geändert. Als ich jung war, da war ich ein riesengroßer Fan von Julia Roberts. Wahrscheinlich eher wegen ihrer fröhlichen Rollen und tollen Ausstrahlung. Angelina Jolie und Charlize Theron bewundere ich für ihre Rollen, vor allem Charlize Theron, denn sie ist so wandelbar, hat Mut und gibt alles, um sich einer Rolle körperlich anzunähern.

Zurück zu Namibia: Wie kann man aktiv werden, um dich und deine Projekte zu unterstützen?

Ja, das kann man jederzeit tun! Wir brauchen Spenden, um mehr Clowns in Namibia ausbilden zu können. So dass wir noch öfter und in noch mehr Einrichtungen spielen können. Hier in Namibia ist der Bedarf nach Leichtigkeit für die Kinder einfach noch größer, da auch Armut eine große Belastung ist – nicht nur Krankheit. Wir spielen viel für Kinder, die gar nichts haben, außer der Kleidung, die sie am Leib tragen.
Unter http://www.paypal.me/clownprojectnamibia kann man jederzeit spenden. Das Geld wird zu 100% in den Ausbau der Klinikclownerie in Namibia gesteckt.

Anja, wie ist die Kooperation mit dem Kindertheater Zauberflöckchen und der Fun Factory Namibia genau entstanden?

Jana und ihre Arbeit kenne ich schon ganz lange. Als wir uns 2013 kennenlernten, erzählte sie von dieser Ausbildung. Bis dato hatte ich so viel darüber noch gar nicht gehört. Was ich wusste war, dass die Klinikclowns vornehmlich im Krankhaus bei kranken Kindern arbeiten. Unsere Zusammenarbeit – bis sie Köln zugunsten ihrer großen Liebe in Windhoek verliess – lief kontinuierlich und auch im Kindertheater hat sie viel guten Inpunt zB in die Rolle der schrulligen Tüftlerin Dr. Wanda Kuriosa in “Die Wunschmaschine” gebracht. Die Verbindung zu den Klinikclowns in Köln entstand, als ich sie selbst live in einem Krankenhaus als Clownin im Einsatz sah. Das war so unfassbar berührend, als ich das zarte Lächeln in den Gesichtern der teils totkranken Kinder sah. Ihre Reaktionen auf die feine Dosierung von Humor, die Jana meisterhaft von Fall zu Fall entscheidet und einsetzt, hat mir gezeigt, dass sie absolut auf dem richtigen Weg ist mit ihrer Passion.

Anja, was bedeuten die Klinikclowns für dich persönlich bzw. wieso liegt dir dieses Projekt am Herzen?

Wenn ich ehrlich bin, ich habe Jana schmerzlich in meiner Agentur und im Kindertheater vermisst. Sie ist der positivste Mensch auf Erden, den ich kenne. Ihre durch und durch ermutigende, stets optimistische und frohe Haltung liegt ihr im Blut. Und als Clownin habe ich gesehen, wie ihr Herz spricht. Als ich von ihrem Projekt vor Ort hörte, habe ich die Crowdfundingaktion gleich gerne finanziell mit unterstützt und seitdem ist es um uns geschehen.

Und wie sieht die Zusammenarbeit künftig aus?

Jana und ich haben uns darauf verständigt, dass wir hier in Köln und Umgebung für sie mit werben, bei jeder öffentlichen Vorstellung mit einem kleinen Intro das Projekt vorstellen und mit der Spendenbox sanft um den auch kleinsten Betrag bitten. Jeder Betrag ist groß und wichtig und wenn sie bald wieder in Deutschland zu Besuch ist, überreichen wir das, was zusammen gekommen ist. Denn: Aus einem kleinen Anfangsprojekt kann eine Riesen große Sache werden. Denkt man doch nur an Karl-Heinz-Böhm, der bei “Wetten daß…” damals “Menschen für Menschen” vorstellte und jeden Zuschauer nur um 1 DM bat. Eine große Sache war geboren…

Und Jana, wo siehst du dich und die Fun Factory in 5 Jahren?

In 5 Jahren? In 5 Jahren sehe ich die Fun Factory als richtige NGO, die die Klinikclownerie als festen Bestandteil in Namibia etabliert hat und finanziell auf sicheren Füßen steht, mit vielen professionellen Clowns.

Anja: Jana hat diese Kraft, diese Power, das Potential und das große Herz dafür.

Danke schön, Jana und Anja, dass Ihr uns von dieser großartigen Idee erzählt habt. Viel Erfolg!

Vielen Dank, dass du uns weiterempfiehlst:

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